Praxisempfehlungen nach Beruf, Tätigkeit und Einsatzbedingungen
„Ich brauche S3", diesen Satz hören wir am Telefon fast täglich. Und meistens stimmt er auch. Trotzdem ist damit noch nicht gesagt, welcher Schuh wirklich passt: Zwei Dachdecker mit derselben Schutzklasse brauchen unterschiedliche Modelle, wenn einer auf dem Steildach steht und der andere Flachdächer abdichtet. Die Klasse legt fest, wogegen ein Schuh schützt. Welches Modell zu Ihnen passt, entscheiden Untergrund, Nässe, Hitze und Tragedauer. Genau darum geht es hier.
Was die Schutzklassen bedeuten
Damit die Empfehlungen weiter unten verständlich sind, hier die wichtigsten Klassen in einem Satz:
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S1: Zehenschutzkappe, antistatisch, öl- und benzinresistent. Für trockene Innenbereiche.
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S1P: wie S1, zusätzlich mit durchtrittsicherer Sohle.
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S2: wie S1, zusätzlich über eine Stunde wasserdicht.
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S3: wie S2, zusätzlich durchtrittsicher und mit grobem Profil.
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S4/S5: Vollgummi- oder Polymerstiefel für Dauernässe.
Dazu kommen Zusatzbuchstaben, die im Alltag oft wichtiger sind als die Klasse selbst: HRO (Sohle hitzebeständig bis 300 °C), WR (wasserdicht), CI (kälteisolierend) und ESD (Schutz vor elektrostatischer Entladung).
Eine ausführliche Erklärung aller Klassen und Kennzeichnungen finden Sie in unserer Kategorie Sicherheitsschuhe.
Sicherheitsschuhe nach Beruf und Tätigkeit
Die folgenden Empfehlungen stammen aus unserer täglichen Beratungspraxis. Sie ersetzen keine Gefährdungsbeurteilung. Welche Schutzausrüstung in Ihrem Betrieb vorgeschrieben ist, legt Ihr Arbeitgeber fest.
Dachdecker
Auf dem Dach entscheidet vor allem die Sohle. Auf Schrägdächern sind die Ziegel oft glatt und feucht. Dafür braucht es eine spezielle Dachdeckersohle, da normale Profilsohlen hier schneller rutschen. Beim Abdichten mit Bitumen kommt Hitze dazu, hier ist eine HRO-Kennzeichnung sinnvoll.
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Steildach: rutschfeste Dachdeckersohle, enge Passform
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Flachdach / Bitumenarbeiten: S3 mit HRO-Sohle
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Bodenarbeiten und Materialtransport: klassischer S3-Schuh
Bewährte Modelle sind die VM Footwear Bonn mit roter Sohle, die FHB Norbert S3 und der Schütze Dachdeckerprofi KH S3.
→ Alle Modelle in der Kategorie Dachdeckerschuhe
Hochbau und Tiefbau
Hier ist der Durchtrittschutz das entscheidende Kriterium: Nägel in Bauholz und Schrauben im Schutt sind die häufigste Ursache für Fußverletzungen auf der Baustelle. Im Tiefbau kommt Nässe dazu, denn Erdarbeiten und Kanalbau finden selten auf trockenem Untergrund statt.
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Maurerarbeiten, Rohbau: S3 mit robustem Obermaterial
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Erdarbeiten, Kanalbau: S3 mit wasserdichter Membran
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Gerüstbau: S3, möglichst leicht, mit gutem Halt auf Metallbelägen
Für den klassischen Baustelleneinsatz eignen sich der Sixton Labrador S3 und der Sixton Corvara S3. Wird es nass, ist der Baak Hunter S3 die passendere Wahl. Er ist wasserdicht und trotzdem atmungsaktiv.
→ Zur Kategorie Hochbau & Tiefbau
Straßenbau und Verkehr
Im Straßenbau treffen zwei Anforderungen aufeinander, die sonst selten zusammenkommen: Hitze und Sichtbarkeit. Frischer Asphalt wird mit über 100 °C eingebaut. Eine normale PU-Sohle ist dafür nicht ausgelegt. Gleichzeitig arbeiten Sie oft im fließenden Verkehr.
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Asphalteinbau: S3 mit HRO-Sohle, Kautschuk statt PU
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Absicherung und Verkehrsführung: S3, kombiniert mit Warnschutzkleidung
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Winterdienst: S3 mit CI-Kennzeichnung und wasserdichter Membran
Für Kälte und Nässe eignet sich der Sixton Rotor Boa S3 Winter mit Drehverschluss.
→ Zur Kategorie Warnschutzkleidung
Maler und Lackierer
Maler arbeiten überwiegend in Innenräumen, viel auf Leitern und Gerüsten. Dadurch entsteht selten eine Durchtrittgefahr. Dafür kommt es auf Trittsicherheit auf Sprossen und geringes Gewicht an. Ein zweiter Punkt, der oft unterschätzt wird: Helle Schuhe hinterlassen keine Abriebspuren auf frisch verlegten Böden.
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Innenarbeiten, Tapezieren: leichter S1P-Schuh
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Fassade und Gerüst: S3 mit gutem Profil
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Arbeiten auf empfindlichen Böden: helle Sohle
Für den Innenbereich eignet sich der leichte adidas MOTIX Low S1PS ESD, wer einen hellen Schuh sucht, findet ihn im Airtox FW44 in Weiß.
→ Zur Kategorie Malerkleidung
Schweißer
Beim Schweißen ist die Gefahr, dass glühende Partikel in den Schuh fallen können. Deshalb sind Schweißerschuhe anders gebaut: Sie haben eine Lasche, die die Schnürung abdeckt, und lassen sich im Notfall schnell abstreifen.
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Werkstatt, Standarbeitsplatz: S3 mit HRO-Sohle und abgedeckter Schnürung
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Mobile Montage: zusätzlich robuste Sohle für wechselnde Untergründe
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Kniende Arbeiten: Modell mit verstärkter Zehen- und Spannpartie
Speziell für diesen Einsatz gebaut ist der Sixton Weld S3.
→ Zur Kategorie Schweißer
Logistik und Lager
Im Lager ist die größte Belastung nicht der einzelne Unfall, sondern die Dauer: Kommissionierer legen pro Schicht mehrere Kilometer zurück, meist auf hartem Hallenboden. Hier zahlt sich jedes eingesparte Gramm aus. Durchtrittschutz ist meist verzichtbar, ESD dagegen häufig vorgeschrieben.
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Kommissionierung, lange Laufwege: leichter S1- oder S1P-Schuh mit guter Dämpfung
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Wareneingang, Umgang mit Paletten: S3 wegen Nässe und schwerer Lasten
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Arbeiten an Elektronik oder Scannertechnik: ESD-Kennzeichnung
Der Airtox UL1P wiegt nur 285 Gramm und ist damit einer der leichtesten Schuhe im Sortiment. Günstigere Alternativen mit sportlicher Dämpfung sind der New Balance Elite Lite S1P und der New Balance Logic S1P ESD.
→ Zur Kategorie Logistik & Lager
Automobil und KFZ
In der Werkstatt kommen drei Dinge zusammen: Öl auf dem Boden, schwere Bauteile über dem Fuß und empfindliche Fahrzeugelektronik. Für die Elektronik ist ESD inzwischen bei den meisten Betrieben Standard.
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Diagnose und Elektronik: S1P mit ESD, gern metallfrei
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Hebebühne, Motorarbeiten: S3 wegen herabfallender Bauteile
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Reifenmontage: robuster S3 mit verstärkter Zehenpartie
Metallfrei und mit ESD ausgestattet ist der Airtox FM1 S1 PS. Für den schwereren Einsatz eignet sich der Sixton Forza S3.
→ Zur Kategorie Automobil & KFZ
Garten- und Landschaftsbau
Im GaLaBau ist der Boden das Problem: nass, uneben, oft matschig. Ein Schuh, der morgens durchnässt, bleibt es den ganzen Tag. Deshalb ist hier die Membran wichtiger als die Klasse.
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Pflanzarbeiten, Rasenpflege: S3 mit wasserdichter Membran
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Pflaster- und Wegebau: S3 mit Durchtrittschutz und grobem Profil
Wasserdicht und atmungsaktiv sind der Baak Hunter S3 und der JALAS 9968 Exalter GTX mit Gore-Tex-Membran.
→ Zur Kategorie Garten & Landschaftsbau
Abfallwirtschaft
Bei der Müllabfuhr steigt ein Lader pro Schicht mehrere hundert Mal auf und ab. Das belastet Gelenke und Sohlen gleichermaßen. Dazu kommen scharfkantige Materialien im Sortierbereich und die Arbeit im Straßenverkehr.
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Müllabfuhr, Tour: S3 mit gutem Durchtrittschutz und Warnschutzkleidung
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Sortieranlage: S3, scharfkantenfeste Sohle
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Wertstoffhof: S3, wetterfest
→ Zur Kategorie Abfallwirtschaft
Diese fünf Faktoren entscheiden über die richtige Wahl
Unabhängig vom Beruf lohnt es sich, vor dem Kauf diese Punkte durchzugehen:
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Untergrund: Hallenboden, Baustelle oder unbefestigtes Gelände. Von dem Untergrund hängt das Sohlenprofil ab
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Nässe: Membran oder nicht? Ein wasserdichter Schuh im trockenen Innenbereich schwitzt unnötig
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Tragedauer: Wer acht Stunden läuft, sollte auf Gewicht und Dämpfung achten, nicht nur auf die Klasse
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Verschluss: Häufiges An- und Ausziehen spricht für einen Drehverschluss
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Fußbreite: Bei breiten Füßen ist die Passform wichtiger als jedes andere Kriterium
Häufige Fragen
Wer bezahlt die Sicherheitsschuhe, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer?
Ist der Fußschutz laut Gefährdungsbeurteilung erforderlich, muss der Arbeitgeber ihn bereitstellen und bezahlen. Das gilt auch dann, wenn Beschäftigte sich ein bestimmtes Modell wünschen und der Betrieb einen Zuschuss zahlt.
Darf ich einen Schuh mit höherer Schutzklasse tragen als vorgeschrieben?
Grundsätzlich ja. Ein S3-Schuh erfüllt alle Anforderungen von S1 und S2. Sinnvoll ist das aber nicht immer: Ein wasserdichter S3-Schuh ist im trockenen Lager schwerer und weniger atmungsaktiv als ein S1P-Modell.
Woran erkenne ich, dass ein Sicherheitsschuh ersetzt werden muss?
Sobald die Zehenschutzkappe durch das Obermaterial sichtbar wird, die Sohle abgelaufen ist oder nach einem Tritt auf einen Nagel Beschädigungen zeigt, entspricht der Schuh nicht mehr den Vorschriften.
Warum lohnen sich zwei Paar Sicherheitsschuhe?
Füße geben über den Tag viel Feuchtigkeit ab, die das Innenfutter aufnimmt. Wer zwei Paar im Wechsel trägt, gibt jedem Paar 24 Stunden zum Auslüften. Das verlängert die Lebensdauer deutlich und beugt Geruchsbildung vor.
Unsicher, welcher Schuh passt?
Die Auswahl ist groß, und am Bildschirm lässt sich Passform schlecht beurteilen. Rufen Sie uns an, wir beraten Sie kostenlos unter 03464 579422. In unserem Fachgeschäft in Sangerhausen können Sie eine Auswahl an Modellen auch vor Ort anprobieren.
