Rutschhemmklassen verstehen und die passende Sohle für Ihren Untergrund finden
Ausrutschen und Stolpern zählen branchenübergreifend zu den häufigsten Unfallursachen am Arbeitsplatz. Bei der Auswahl der passenden Sicherheitsschuhe achten viele Beschäftigte und Einkäufer jedoch primär auf die bekannten Schutzklassen wie S1, S2 oder S3. Das Problem: Diese Basis-Normen definieren zwar den Zehenschutz und die Wasserdichtigkeit, über die tatsächliche Rutschhemmung der Sohle auf spezifischen Arbeitsböden sagen sie jedoch wenig aus.
Maßgeblich für die Trittsicherheit ist die EN ISO 20345. Sie definiert die genauen Prüfverfahren und gibt Aufschluss darüber, wie sich das Sohlenprofil auf nassen, seifigen oder öligen Untergründen verhält. Doch was genau verbirgt sich im Arbeitsschutz eigentlich hinter den Kürzeln SRA, SRB und SRC?
Rutschfeste Sicherheitsschuhe bieten nur dann verlässlichen Schutz, wenn Sohlenmaterial und Untergrund exakt aufeinander abgestimmt sind. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen die SRC Bedeutung für Schuhe, zeigen, warum SRC Schuhe in den meisten Branchen der Standard sind, und helfen Ihnen dabei, die richtige Sohle für Ihren Arbeitsalltag zu finden.
SR, SRA, SRB und SRC: Das bedeuten die Kennzeichnungen in der Praxis
Die zertifizierte Rutschhemmung ist wichtig für einen sicheren Stand am Arbeitsplatz. Wer für sich oder seinen Betrieb rutschfeste Sicherheitsschuhe sucht, stößt bei den Sohleneigenschaften sofort auf Kürzel wie SR oder die bewährten Klassen SRA, SRB, SRC. Diese Abkürzungen definieren exakt, auf welchen genormten Testböden die Laufsohle ihre Haftung bewiesen hat. Oft werden wir in der Beratung nach der genauen SRC Bedeutung für Schuhe gefragt: Ein Schuh mit diesem Kürzel hat die Rutschtests auf Keramikfliesen (mit Seifenlauge) sowie auf Stahlböden (mit Glycerin) erfolgreich bestanden und bietet damit höchste Trittsicherheit nach der alten Norm.

Begriffsklärung am Rande: Umgangssprachlich ist oft von „Rutschhemmklassen“ die Rede. Streng genommen bezeichnet dieser Begriff die Bewertungsgruppen R9 bis R13 nach DIN 51130 – und die gelten für Bodenbeläge, nicht für Schuhe. Bei Sicherheitsschuhen heißt es korrekt Rutschhemmungs-Kennzeichnung nach EN ISO 20345. In der Praxis werden beide Systeme häufig vermischt, gemeint ist aber meist die Schuhkennzeichnung.
Was sich mit der EN ISO 20345:2022 geändert hat
Mit dem Update der zentralen Grundnorm EN ISO 20345 (Fassung 2022) gab es bei der Rutschhemmung eine entscheidende Neuerung: Eine grundlegende Rutschhemmung ist bei neuen Zertifizierungen kein gesondert ausgewiesenes Extra mehr, sondern Pflicht für jeden Sicherheitsschuh. Deswegen wurden die bisherigen Zusatzkennzeichnungen SRA, SRB und SRC aus der neuen Norm gestrichen.
Stattdessen finden Sie nun das Kürzel SR. Es markiert eine freiwillige, aber deutlich strengere Zusatzprüfung auf einer Keramikfliese mit Glycerin. Für Arbeitsschuhe mit Spikes oder speziellen Metallpartikeln, bei denen das Standard-Prüfverfahren keine sinnvollen Ergebnisse liefert, wurde zudem das neue Zeichen Ø (nicht prüfbar) eingeführt.
Wichtig für Ihren Einkauf: Es greift eine Übergangsfrist bis 2029. Modelle mit der alten Norm bleiben uneingeschränkt verkehrsfähig. In der Praxis finden Sie deshalb aktuell bewährte SRC Sicherheitsschuhe und neue Modelle mit SR-Kennzeichnung direkt nebeneinander in unserem Sortiment. Wenn Sie heute SRC Schuhe kaufen, erhalten Sie weiterhin Laufsohlen, die den Rutschtest der Vorgängernorm bestanden haben.
Achtung: Warum die Schutzklasse nichts über die Rutschhemmung aussagt
Ein Irrglaube im Arbeitsschutz ist: „Eine höhere Schutzklasse bringt automatisch mehr Grip.“ Das ist falsch. Die Schutzklassen S1, S1P, S2 oder S3 definieren ausschließlich mechanische Eigenschaften, wie die Belastbarkeit der Zehenschutzkappe, die Durchtrittsicherheit der Zwischensohle oder wie wasserabweisend das Schaftmaterial ist.
Ein robuster S3-Stiefel mit einer harten, grobstolligen Sohle (ideal für weichen Matsch im Tiefbau) rutscht auf einer feuchten Industriefliese oft deutlich schneller als ein leichter S1-Schuh mit einer weichen, mikroporösen Gummisohle. Achten Sie bei der Auswahl also immer auf die ausgewiesene Rutschhemmung und das passende Sohlenmaterial und nicht nur auf das S-Kürzel.
Sohlenmaterial und Profil im Vergleich: Darauf kommt es im Arbeitsalltag an
Die Zertifizierung nach EN ISO 20345 ist wichtig, doch in der Praxis entscheiden das verwendete Material und die Struktur des Sohlenprofils, wie sicher Sie auf Ihrem spezifischen Untergrund stehen. Wer rutschfeste Sicherheitsschuhe sucht, muss das Material passend zur Arbeitsumgebung wählen.
Welches Sohlenmaterial greift wo am besten?
- PU (Polyurethan): Sehr leicht, gut dämpfend und ideal für lange Arbeitstage im Innenbereich (z. B. Logistik, Montage). Achtung: Bei extremen Minusgraden im Freien kann PU verhärten und an Grip verlieren.
- TPU (Thermoplastisches Polyurethan): Abriebfester und langlebiger als klassisches PU. Es bietet eine deutlich höhere Widerstandsfähigkeit gegen Schnitte, Öle und Chemikalien und behält seine Rutschhemmung auch bei kühleren Temperaturen länger bei.
- Nitrilkautschuk: Extrem hitzebeständig (meist bis 300 °C Kontaktwärme gemäß HRO-Zertifizierung) und hochresistent gegen Kraftstoffe, Säuren und Öle. Selbst unter extremen Bedingungen bleibt die Sohle formstabil und sicher.
- Gummi (Gummimischungen): Gummi bietet von Haus aus die beste Bodenhaftung auf feuchten, nassen oder glatten Industrieböden und bleibt auch im Winter flexibel. Der einzige Kompromiss: Gummisohlen sind etwas schwerer als reine PU-Sohlen.
In der Praxis bedeutet das eine Abwägung: Wo es vor allem auf maximalen Grip ankommt, ist Gummi die erste Wahl. Wer dagegen täglich mehrere Kilometer auf hartem Hallenboden zurücklegt, profitiert vom geringeren Gewicht und der besseren Dämpfung einer PU-Sohle – vorausgesetzt, sie ist entsprechend zertifiziert.
Profil, Rillen und Selbstreinigung: Der Kontakt zum Boden
Auch das beste Material benötigt die richtige Profilierung. Ein gutes Sohlenprofil muss immer zur Arbeitsumgebung passen, damit die ausgewiesene Rutschhemmung überhaupt wirken kann:
- Grobe, tiefe Stollenprofile (Outdoor / Bau): Mit ihren breiten Auswurfkanälen eignen sie sich perfekt für lose Erdreiche, Schotter und Schlamm. Der Dreck löst sich beim Gehen von selbst heraus (Selbstreinigung), wodurch der Kontakt zum Boden bestehen bleibt.
- Feine, mikroporöse Lamellenprofile (Indoor / Industrie): Auf glatten Hallenböden oder Fliesen mit einem dünnen Wasserfilm erbringen sie Höchstleistungen. Ähnlich wie ein Winterreifen oder Scheibenwischer verdrängen die Lamellen die Flüssigkeit zur Seite und verhindern Aquaplaning unter dem Schuh.
Unser Praxis-Tipp: Vorsicht bei zugesetzten Rillen! Wenn sich das Profil im Arbeitsalltag massiv mit Fett, Ton oder Lehm zusetzt, liegt die Sohle quasi flach auf. Dann verliert der Schuh seinen Bodenkontakt und selbst die höchste SRC-Zertifizierung nützt Ihnen nichts mehr. Regelmäßige Pflege ist für die Rutschfestigkeit entscheidend.
Praxis-Guide: Welche Sohle passt zu welchem Arbeitsuntergrund?
Damit Sie beim Kauf nicht lange suchen müssen, haben wir die häufigsten Einsatzbereiche und die dafür optimalen Sohlen-Eigenschaften übersichtlich zusammengefasst:
Glatte Hallenböden, Fliesen und Nässe (Logistik, Montage, Lebensmittelbereich)
In Lagerhallen, in der Logistik oder in der Lebensmittelverarbeitung dominieren glatte Industrieböden. Wenn hier Wasser, Reiniger oder Kondensat ins Spiel kommen, entstehen tückische Rutschfallen.
Anforderung: Flexible Laufsohlen mit feiner Profilierung und Lamellen, die Feuchtigkeit schnell verdrängen.
Empfehlung: Setzen Sie auf SRC Sicherheitsschuhe oder Modelle mit neuer SR-Kennzeichnung. Ein Beispiel aus unserem Sortiment ist der JALAS 1625 E-Sport S3 SRC CI, der eine leichte PU-Laufsohle mit SRC-Zertifizierung kombiniert – gut geeignet für lange Wege auf hartem Hallenboden.
Öle, Fette und Schmierstoffe (Werkstatt und Metallverarbeitung)
In Autowerkstätten, Maschinenbauhallen oder Großküchen treffen Laufsohlen täglich auf zähe Schmierstoffe, Öle und Fette. Standard-PU-Sohlen können bei dauerhaftem Kontakt mit bestimmten Fetten aufquellen, porös oder spiegelglatt werden.
Anforderung: Hohe Resistenz gegen Kohlenwasserstoffe (FO) und Fette, damit das Material seine Struktur behält.
Empfehlung: Wählen Sie Laufsohlen aus TPU oder Nitrilkautschuk. Sie behalten ihre hohe Rutschhemmung selbst auf ölverschmierten Metallgitterrosten oder öligen Fliesen bei und zeichnen sich durch eine hohe Schnittfestigkeit aus. Speziell für diese Bedingungen ausgelegt sind die Sixton Weld Schweisserschuhe S3 mit hitze- und ölbeständiger Sohle.
Schnee, Eis und tiefste Temperaturen (Außeneinsätze im Winter)
Für den winterlichen Außeneinsatz reichen normale Sohlen nicht aus, da viele Kunststoffe bei Minusgraden aushärten und glatt werden.
Anforderung: Kälteflexible Gummimischungen, die auch bei starkem Frost elastisch bleiben und sich im Untergrund festkrallen.
Empfehlung: Greifen Sie auf speziell ausgestattete Winter-Sicherheitsschuhe mit Kälteschutz (CI) zurück. Für Extrembedingungen wie Blitzeis bieten sich Modelle mit integrierten Spikes an (nach neuer Norm gekennzeichnet mit dem Symbol Ø). Wichtig aus der Praxis: Schuhe mit Spikes dürfen niemals auf glatten, harten Hallenböden getragen werden, da sie dort jegliche Bodenhaftung verlieren!
Unwegsames Gelände, Erdaushub und Baustelle (Hoch- & Tiefbau, Gartenbau)
Auf unbefestigten Böden, feuchtem Lehm, Schotter oder im Rohbau nützt das feinste Hallenprofil nichts. Hier zählt ausschließlich die mechanische Verzahnung mit dem Untergrund.
Anforderung: Grobe Stollenprofile mit tiefen Rillen und hervorragender Selbstreinigungsfunktion.
Empfehlung: Wählen Sie robuste S3-Sicherheitsschuhe mit tief profilierten PU/Gummi- oder Nitrilsohlen, etwa den JALAS 1828 Jupiter S3 SRC CI HRO HI. Die breiten Auswurfkanäle verhindern, dass sich Matsch im Profil festsetzt und die Rutschhemmung wirkungslos macht. Zudem schützt der feste Schaft das Sprunggelenk vor dem Umknicken auf unebenem Terrain.
Was Sie selbst für mehr Trittsicherheit tun können
Selbst die beste Kennzeichnung nützt wenig, wenn die Pflege vernachlässigt wird. Mit diesen Maßnahmen erhalten Sie die Rutschhemmung Ihrer Sicherheitsschuhe:
- Regelmäßige Sichtprüfung: Prüfen Sie die Laufsohle regelmäßig auf abgetragene Stellen. Ist das Profil stellenweise komplett abgerieben, lässt die Haftung schlagartig nach.
- Profil reinigen: Befreien Sie die Sohle nach Arbeitsende von Fetten, Ölen oder eingeklemmten Steinen.
- Verschleiß erkennen: Sobald die Profiltiefe auf etwa ein bis zwei Millimeter abgenutzt ist oder Risse im Material sichtbar werden, muss der Schuh ersetzt werden.
- Grenzen kennen: Ein Sicherheitsschuh kann viel abfangen, ersetzt aber keine baulichen Schutzmaßnahmen. Rutschhemmende Bodenbeläge, saubere Abläufe und das Beseitigen von Leckagen bleiben fundamentale Pflichten des Arbeitgebers.
Häufige Fragen zur Rutschhemmung
Bildnachweis: Das Titelbild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.
